Port Lympia, Nizza · Besucht 7. April 2026
Port Lympia in Nizza – ein hübscher Hafen voller unerwarteter Geschichten
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Wir sind am 7. April 2026 vor allem wegen der Aussicht in den Hafen von Nizza gekommen. Ockerfarbene und ziegelrote Fassaden, Wälder aus Masten, Yachten und dazwischen kleine, bunte Fischerboote – der Port Lympia ist auf den ersten Blick genau das Postkartenmotiv, das man von der Côte d'Azur erwartet. Bei näherem Hinsehen zeigte sich jedoch, dass dieser Hafen weit mehr zu bieten hat als eine hübsche Kulisse: ein ehemaliges Galeerensträflingsgefängnis, einen denkmalgeschützten Kran, eine einzigartige Fähre und eine zweihundert Jahre alte Geschichte, an der die meisten Touristen auf dem Weg aus Vieux-Nice nur vorbeigehen.
Ein Hafen, der in den Sumpf gegraben wurde
Der Name Lympia hat nichts mit dem Olymp zu tun. Er stammt von der Quelle Lympia, die einst einen kleinen See in der sumpfigen Talsenke unterhalb des Schlossbergs speiste. Nizza gehörte damals nicht zu Frankreich, sondern zum Königreich Sardinien, das von den Savoyern in Turin regiert wurde. Im Jahr 1748 beschloss König Karl Emanuel III., der Stadt endlich einen ordentlichen Hafen zu geben – und wählte dafür ausgerechnet dieses Feuchtgebiet unterhalb der alten Zitadelle.
Es war ein gewaltiges Bauprojekt, das sich über Jahrzehnte hinzog. Das erste Hafenbecken war relativ schnell fertig, und schon Anfang der 1750er-Jahre liefen die ersten Schiffe ein. Rund um den Hafen entstand zugleich ein ganz neues Viertel. Fertiggestellt wurde der Port Lympia aber erst nach dem Anschluss Nizzas an Frankreich im 19. Jahrhundert – insgesamt dauerte der Bau etwa 150 Jahre. Deshalb hat der Hafen bis heute einen italienischen, savoyischen Charakter: symmetrische Häuser mit Arkaden und in der Achse der Place Île-de-Beauté die Kirche Notre-Dame-du-Port mit ihren vier klassizistischen Säulen. Dieser gesamte Teil des Hafens steht unter Denkmalschutz.
Das Gebäude mit den Gitterfenstern: das Galeerensträflingsgefängnis
Am Ende des Hafenbeckens Lympia, am Quai Entrecasteaux, steht ein unscheinbares Gebäude mit vergitterten Fenstern. Wer es nicht weiß, geht daran vorbei. Es ist ein ehemaliger Bagne – ein Gefängnis für Galeerensträflinge, erbaut im Jahr 1750. Die Verurteilten schliefen hier in Ketten und arbeiteten tagsüber am Aushub des Hafens, an dem wir heute entlangspazieren. Seit 1943 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.
Heute hat es ein deutlich fröhlicheres Schicksal. Das Département Alpes-Maritimes hat es gemeinsam mit dem benachbarten Uhrenpavillon von 1826 restauriert, und seit 2017 beherbergt es den Espace culturel départemental Lympia mit wechselnden Ausstellungen. Der Eintritt ist frei, und der größte Anziehungspunkt für Fotografen ist die Dachterrasse mit 280 m² und Blick über den gesamten Hafen.
Ein Kran, der ein Denkmal ist
An der Westseite des Handelshafens (Quai Infernet) steht ein alter Portalkran. Er sieht aus wie gewöhnliche Hafentechnik, ist in Wirklichkeit aber ein seit dem Jahr 2000 geschütztes Denkmal. Der Kran Applevage Nr. 14 ging aus einem 1936 ausgeschriebenen Wettbewerb hervor, wiegt 83 Tonnen, ist 22 Meter hoch und trägt 5 Tonnen. Sein Zwilling Nr. 13 und weitere große Kräne wurden Anfang der 1990er-Jahre abgerissen – die „Vierzehn“ blieb so als letztes Stück der ursprünglichen Hafenausstattung erhalten.
Pointus und Lou Passagin
Der fotogenste Teil des Hafens sind zweifellos die Pointus – traditionelle hölzerne Fischerboote mit spitzem Bug und Heck, in leuchtenden Farben gestrichen. Sie liegen in einer Reihe am Ende des Hafenbeckens Lympia, nur wenige Meter von den Luxusyachten entfernt, und dieser Kontrast macht den Port Lympia zu etwas anderem als einer gewöhnlichen Marina.
Ein Pointu hat sogar eine praktische Aufgabe. Lou Passagin ist eine kostenlose Überfahrt über das Hafenbecken, deren Tradition bis in die 1950er-Jahre zurückreicht. Damals ruderte ein Fischer im Ruhestand die Leute hinüber und besserte sich so seine Rente mit ein paar Münzen auf. Heute fährt ein elektrischer Pointu mit Solarpaneelen namens La Ratapignata, und die Überfahrt von einem Ufer zum anderen dauert etwa drei Minuten. Achtung allerdings bei der Saison – die Fähre verkehrt nur ungefähr von Mai bis September oder Oktober. Wir waren im April da und mussten den Hafen deshalb zu Fuß umrunden.
Weitere Kleinigkeiten, die einen Blick wert sind
- Flohmarkt: Am Kai werden täglich außer montags Antiquitäten und allerlei Schätze verkauft.
- Tor nach Korsika: Nizza ist der nächstgelegene Hafen des französischen Festlands zu Korsika, und die Fähren legen von hier regelmäßig ab.
- Fête du Port: Jeden September erwacht der Hafen mit einem Festival voller Musik, lokaler Spezialitäten und Pointus-Regatten zum Leben.
- Schlossberg: Den schönsten Blick auf den gesamten Hafen hat man von oben, von der Colline du Château. Ideal ist es, direkt vom Hügel zum Hafen hinunterzulaufen.
Tipp: Zum Hafen kommt man mit der Straßenbahn T2, Haltestelle Port Lympia. Am Nachmittag, wenn die Sonne die Fassaden anstrahlt, ist hier das beste Licht für Fotos.
Praktische Informationen
- Espace Lympia: 2 quai Entrecasteaux, Mittwoch bis Sonntag 10–17 Uhr (im Juli und August bis 18 Uhr), Eintritt frei.
- Lou Passagin: kostenlos, in der Sommersaison täglich 10–19 Uhr.
- Website des Ausstellungsraums: espacelympia.departement06.fr
